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Die soziale Kluft ist nicht weiter gewachsen

– Armutsgefährdungsquote in Niedersachsen stagniert bei 14,7 % –



Datum: 15. Dezember 2009
Nummer 90/09


Hannover. Im Jahr 2008 waren 14,7 % aller Niedersachsen, d.h. gut jeder 7. Einwohner des Landes, von Armut bedroht. Dies teilte der Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen (LSKN) auf Basis von Berechnungen mit, die von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder gemeinsam erstellt worden sind. Diese Berechnungen fußen auf Auswertungen des Mikrozensus, der großen regelmäßigen Haushaltebefragung der amtlichen Statistik.

Im Vergleich zum Jahr 2005 ist die Armutsrisikoquote um 0,4 Prozentpunkte gesunken, im Vergleich zum Jahr 2007 sind die Werte konstant geblieben. Die parallel berechnete Reichtumsquote ist gemessen am Jahr 2005 leicht von 7,4 % auf 7,1 % zurückgegangen. Nachdem sich die die soziale Schere jahrzehntelang stetig weiter geöffnet hatte, hat sie sich in den vergangenen Jahren von 2005 bis 2008 nicht weiter geöffnet bzw. sogar minimal geschlossen. Allerdings wirken sich bei den Ergebnissen des Jahres 2008 die Folgen der Wirtschaftskrise noch kaum aus. Diese werden erst in den Werten für das Jahr 2009 ihren Niederschlag finden.

Maßgeblich für die Bestimmung der Menschen, die als armutsgefährdet oder reich eingestuft werden, ist das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen (Median) der Bevölkerung. Dieses betrug in Niedersachsen im Jahr 2008 für Einpersonenhaushalte 1 280 Euro. Menschen, die mit weniger als 60 % dieses Betrags (768 Euro) auskommen müssen, gelten als armutsgefährdet; umgekehrt gelten Menschen, die für sich allein mehr als 200 % von diesem Betrag zur Verfügung haben, als "reich".

Im Vergleich zum Bund (14,4 %) ist die Armutsrisikoquote in Niedersachsen leicht überdurchschnittlich. Am stärksten von Armut bedroht waren in Niedersachsen junge Erwachsene in der Ausbildungs- und Familiengründungsphase (Armutsrisikoquote von 23,5 %), Geringqualifizierte (35,9 %), Alleinerziehende (42,3 %), Menschen mit Migrationshintergrund (31,3 %), Ausländer (40,0 %) und Erwerbslose (56,2 %). Die Armutsgefährdungsquote der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren betrug unverändert 20,1 %.

Bei der Berechnung der Armutsrisikoquoten für Länder kann auf zweierlei Art vorgegangen werden. Entweder berechnet man diese Quoten auf Basis des bundesdeutschen oder des jeweiligen landesspezifischen Durchschnittseinkommens. Beides sind legitime Blickwinkel auf das Problem der Armutsgefährdung. Der LSKN zieht bei der Berechnung der Quoten für Niedersachsen das niedersächsische Durchschnittseinkommen heran. Die Landesstatistiker begründen dies damit, dass die Messung eines Einkommens am Bundesdurchschnitt in wirtschaftlich schwachen Regionen die Armut in der Tendenz überschätzt und sie in prosperierenden Räumen systematisch unterschätzt – unter anderem auch darum, weil in solchen Räumen z.B. das Mietniveau deutlich höher liegt. Das vom LSKN benutzte "Regionalkonzept" hingegen entspricht dem allgemeinen Ziel der Armutsbekämpfung, nämlich der Ermöglichung von Teilhabe und der Vermeidung von sozialer Ausgrenzung.

Nähere Informationen zur Entwicklung von Armut und Reichtum in Niedersachsen enthält die beiliegende Tabelle sowie die Ausgabe 12/2009 der Statistischen Monatshefte Niedersachsen. Daten zu den anderen Ländern stehen unter www.amtliche-sozialberichterstattung.de zur Verfügung.

Auskünfte erteilen:
Herr Prof. Eichhorn, Tel. 0511 9898 - 2215
Herr Ebigt, Tel. 0511 9898 - 1432
Frau Huter, Tel. 0511 9898 - 2261

Verbreitung mit Quellenangabe erwünscht.


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