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Armutsgefährdung in Niedersachsen 2025 bei 16,8%

Landesamt für Statistik Niedersachsen, Pressemitteilung Nr. 046 vom 11.05.2026


  • Armutsgefährdungsquote auf dem Niveau der Vorjahre
  • Höchste Quoten bei Minderjährigen und jungen Erwachsenen
  • Frauen öfter betroffen als Männer - besonders im Alter unter 25 und ab 65 Jahren
  • Erwerbslose mit mehr als sechsmal so hoher Armutsgefährdung wie Erwerbstätige

HANNOVER. In Niedersachsen waren im Jahr 2025 rund 1,3 Millionen Menschen von relativer Einkommensarmut betroffen. Wie das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) mitteilt, lag die Armutsgefährdungsquote bei 16,8%. Damit hat sich das Ausmaß der Armutsgefährdung seit 2020 kaum verändert: Die Quote bewegte sich in diesem Zeitraum weitgehend stabil zwischen 16,4% und 17,0%.

Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60% des durchschnittlichen monatlichen Haushaltsnettoeinkommens zur Verfügung hat. Die Armutsgefährdungsschwelle lag 2025 in Niedersachsen für einen Einpersonenhaushalt bei 1.327 Euro, für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren bei 2.787 Euro. Bei Haushalten von Alleinerziehenden mit einem Kind unter 14 Jahren waren es 1.725 Euro.

Höchste Armutsgefährdung bei Minderjährigen und jungen Erwachsenen
Besonders stark von Armutsgefährdung betroffen sind in Niedersachsen weiterhin junge Menschen: Sowohl die unter 18-Jährigen als auch die 18- bis unter 25-Jährigen weisen regelmäßig die höchsten Quoten auf, diese lagen 2025 bei 21,0% und 24,7% (2024: 20,5% und 25,8 %).

Am seltensten armutsgefährdet sind hingegen Personen im Alter von 50 bis unter 65 Jahren, ihre Quote lag 2025 zum Vorjahr unverändert bei 12,6%. Auch die Altersgruppe der 25- bis unter 50-Jährigen war mit 14,9% (2024: 14,7%) unterdurchschnittlich häufig von Armutsgefährdung betroffen. Menschen im Alter ab 65 Jahren weisen hingegen seit Jahren überdurchschnittliche Werte auf, 2025 betrug ihre Quote 17,9% (2024: 18,1%).

Frauen unter 25 Jahren und ab 65 Jahren deutlich öfter armutsgefährdet als Männer
Frauen waren wie in den Vorjahren in allen Altersgruppen öfter von Armutsgefährdung betroffen als Männer, im Durchschnitt lag die Quote der Frauen 2025 bei 17,9%, bei den Männern betrug sie 15,6%. Besonders deutlich fallen die Unterschiede bei den jungen Erwachsenen und ab 65 Jahren aus. Bei den 18- bis unter 25-Jährigen waren 27,7% der Frauen und 21,9% der Männer armutsgefährdet, bei den 65-Jährigen und Älteren betrugen die Quoten 20,1% und 15,2%.

Paarhaushalte mit bis zu zwei Kindern am wenigsten betroffen
Ein Blick auf die Haushaltsstruktur zeigt: Das Risiko der Armutsgefährdung ist je nach Haushaltstyp sehr unterschiedlich verteilt. Besonders hoch ist es bei Alleinerziehendenhaushalten, bei denen die Armutsgefährdungsquote mit 41,8% auch 2025 mit Abstand am höchsten war. Einpersonenhaushalte (29,0%) sowie Haushalte mit drei oder mehr Kindern (30,2%) und sonstige Haushalte mit Kindern (24,6%) waren ebenfalls überdurchschnittlich häufig betroffen.

Deutlich niedriger fiel die Armutsgefährdung hingegen bei Paarhaushalten aus – sowohl ohne Kinder (8,7%) als auch mit ein oder zwei Kindern (8,5% bzw. 9,5%). Auch sonstige Haushalte ohne Kinder wiesen 2025 mit 9,0% vergleichsweise geringe Quoten auf.

Hohe Quoten bei Erwerbslosen und Nichterwerbspersonen
Erwerbstätigkeit schützt in der Regel vor Armutsgefährdung, während fehlende Erwerbsbeteiligung mit deutlich höheren Risiken einhergeht. Am höchsten fiel die Armutsgefährdungsquote auch 2025 bei Erwerbslosen mit 51,7% aus und damit mehr als sechs Mal so hoch wie bei den Erwerbstätigen mit 8,4%.

Besonders oft von Armutsgefährdung betroffen war auch die Gruppe der „sonstigen Nichterwerbspersonen“ mit 47,1%. Darunter fallen beispielsweise Hausfrauen und Hausmänner, ältere Menschen ohne Rente bzw. Pension oder Studierende ohne Nebenjob. Überdurchschnittliche Anteile zeigten sich zudem bei Nichterwerbspersonen unter 18 Jahren (21,2%) sowie bei Rentnerinnen und Rentnern (18,4%).

Eine Betrachtung der sozialen Lage erfordert neben der Analyse der Einkommensungleichheit auch die Berücksichtigung der Ausgabenseite – insbesondere vor dem Hintergrund steigender Inflationsraten. Entsprechende Daten zur sozialen und materiellen Entbehrung stehen aus der Erhebung EU-SILC Leben in Europa bereit.


Anlage zur Pressemitteilung (xlsx)
Methodische Hinweise:

Die Armutsgefährdungsquoten werden auf Basis des Mikrozensus im Auftrag der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder von IT.NRW (Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen) im Rahmen der Sozialberichterstattung der amtlichen Statistik berechnet. Die wichtigsten Ergebnisse für die Länder, Großstädte und die verschiedenen Regionen stehen im gemeinsamen Statistikportal der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder.

Die Gefährdungsquoten werden sowohl auf Basis der jeweiligen regionalen Gefährdungsschwellen als auch auf Basis des bundesweiten Durchschnitts berechnet. Beide Berechnungen ergänzen einander. Angaben auf Basis des regionalen Durchschnitts konzentrieren sich auf die Verteilung des Einkommens innerhalb einer Region. Berechnungen auf Basis des bundesweiten Durchschnitts blicken stärker auf die Einkommensunterschiede zwischen den Ländern. Beide Berechnungen sind aber nicht frei von Verzerrungen, die sich durch regional unterschiedliche Preisniveaus und Mietkosten ergeben.

Zu beachten ist zudem, dass das Statistische Bundesamt Ergebnisse zu Einkommensindikatoren auf Basis des Mikrozensus ausschließlich aus der amtlichen Hauptdatenquelle Mikrozensus-SILC (zu methodischen Hintergründen siehe https://www.statistikportal.de/de/sbe/erlaeuterung-bundesmedian) berechnet. Nur Kennziffern, die nach dem gleichen Verfahren und auf Basis derselben Datenquelle berechnet wurden, sind vergleichbar. Die Kennzahlen auf Basis von MZ-SILC sollten demzufolge nicht mit denen auf Basis des MZ-Kernprogramms verglichen werden, auf dessen Grundlage die regionalen Gefährdungsschwellen berechnet werden.

Die in dieser Pressemitteilung genannten Zahlen beziehen sich auf Daten, die auf Basis des niedersächsischen Durchschnittseinkommens und der niedersächsischen Gefährdungsschwellenwerte ermittelt wurden.

Das Durchschnittseinkommen wird am Median gemessen. Dabei werden die Haushalte oder Personen ihrem Einkommen nach aufsteigend sortiert. Der Median ist der Mittelwert, der die Bevölkerung in genau zwei Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat mehr, die andere weniger Einkommen zur Verfügung.

Bei den verwendeten Zahlen für 2025 handelt es sich um Erstergebnisse aus dem Mikrozensus 2025, bei den Zahlen für 2024 um Endergebnisse. Die endgültigen Zahlen zur Armutsgefährdung weichen in der Regel nur wenig von den ersten Ergebnissen ab.

Kontakt:
Arne Lehmann, Tel. 0511 9898-3145
arne.lehmann@statistik.niedersachsen.de


Über das Landesamt für Statistik Niedersachsen
Das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) erstellt auf gesetzlicher Grundlage rund 290 Statistiken zu verschiedenen Themen wie Bevölkerung und Haushalte, Bildung, Erwerbstätigkeit, Finanzen, Wirtschaft und Handel, Industrie oder Umwelt und Energie. Das LSN bietet damit neutrale, verlässliche und fachlich unabhängige Informationen für das Land Niedersachsen, seine Regionen und Kommunen, die mit anderen deutschen und europäischen Daten vergleichbar sind. Diese stehen Politik, Verwaltung, Wirtschaft sowie Bürgerinnen und Bürgern zu Informations- und Planungszwecken sowie als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung.

Verbreitung mit Quellenangabe erwünscht.


Herausgeber:
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