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Unterschiedliche Verdienstentwicklungen in Niedersachsen im Jahr 2014: Männer profitierten stärker als Frauen, Fachkräfte mehr als Angelernte

Pressemitteilung des Landesamtes für Statistik Niedersachsen



Datum: 13. August 2015
Nummer 56/15


HANNOVER. Der Nominallohnindex stieg in Niedersachsen 2014 binnen Jahresfrist um durchschnittlich 1,8 Prozent. Wie das Landesamt für Statistik mitteilt, setzte sich damit der Trend des gedämpften Anstiegs der Jahre 2012 und 2013 fort: Die Nominallöhne nahmen 2014 um 0,2 Prozentpunkte weniger zu als noch im Vorjahr (+2,0 Prozent). Als Dämpfer wirkten insbesondere die rückläufigen unregelmäßigen Zahlungen, sogenannte Sonderzahlungen, bei Teilzeitbeschäftigten.

Manche Beschäftigtengruppen hatten 2014 über-, andere nur unterdurchschnittliche Verdienstzuwächse aufzuweisen oder hatten gar Einbußen hinzunehmen: Die Verdienstzunahmen der Frauen blieben deutlich hinter denen der Männer zurück: Die Nominallöhne der Arbeitnehmer stiegen um 2,1 Prozent, während die Löhne der Arbeitnehmerinnen nur um 0,8 Prozent zulegten. Die Bruttolöhne der Teilzeitbeschäftigten nahmen unterdurchschnittlich (+1,0 Prozent) zu, während sich die Löhne der Vollzeitbeschäftigten nominal leicht überdurchschnittlich (+1,9 Prozent) entwickelten. Bei Beschäftigten auf den Arbeitsplätzen mit vergleichsweise geringem Anforderungsprofil lagen die Verdienstzuwächse unter dem Landesdurchschnitt: Die Bruttolöhne von angelernten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern stiegen nur um 1,6 Prozent, die der Ungelernten gingen sogar deutlich zurück (-4,0 Prozent). Freuen konnten sich im Jahr 2014 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der „Mitte“: Fachkräfte bekamen um 2,3 Prozent höhere Nominallöhne. Beschäftigte in leitender Position und herausgehobene Fachkräfte verzeichneten durchschnittliche Zuwächse.

Auch zwischen den Branchen gab es deutliche Unterschiede: In den von Männern dominierten Wirtschaftsabteilungen wie beispielsweise im Verarbeitenden Gewerbe (+4,1 Prozent), Information und Kommunikation (+4,8 Prozent), Baugewerbe (+5,4 Prozent), Grundstücks- und Wohnungswesen (+5,9 Prozent) nahmen die Löhne nominal überdurchschnittlich zu. Demgegenüber stiegen die Verdienste in den Branchen mit einem stark ausgeprägten Frauenanteil wie im Gastgewerbe (+1,4 Prozent), Erziehung und Unterricht (+0,8 Prozent) nominal schwächer an. Im Gesundheits- und Sozialwesen (-1,8 Prozent) sowie in der Kunst, Unterhaltung und Kultur (-5,3 Prozent) nahmen die Verdienste sogar ab.

Von Interesse ist auch der Blick auf den Niedriglohnsektor. Dazu wird der Fokus auf die Bruttostundenlöhne (einschließlich Sonderzahlungen) der Vollzeitbeschäftigten gerichtet. In den Branchen mit dem bundesweit höchsten Anteil von Niedriglohnbezieherinnen und -beziehern ergab sich im Jahr 2014 ein uneinheitliches Bild: Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Bereichen der Herstellung von Back- und Teigwaren, Stärke und Stärkeerzeugnissen (-11,5 Prozent), des Verleihs und Vertriebs von Filmen und Fernsehprogrammen (-9,1 Prozent), der Arbeitskräftevermittlung und -überlassung (-9,4 Prozent), der Wach- und Sicherheitsdienste (-7,6 Prozent) mussten erhebliche Verdienstrückgänge verbuchen. Auch Caterer und Erbringer sonstiger Verpflegungsdienstleistungen insgesamt (-4,1 Prozent) sowie Beschäftigte im Spiel-, Wett- und Lotteriegewerbe (-10,3) verdienten je Stunde brutto weniger als im Vorjahr. Eine deutlich positive Entwicklung konnte im Einzelhandel mit Nahrungs- und Genussmitteln, Getränken und Tabakwaren (+16,2 Prozent) und in den Copy-Shops, Call Centern, im Abfüll- und Verpackungsgewerbe insgesamt (+19,2 Prozent) verzeichnet werden.


Methodische Hinweise:

Datenquelle ist die Vierteljährliche Verdiensterhebung. Sie wird als repräsentative Stichprobenerhebung durchgeführt. In Niedersachsen tragen zur Abbildung der konjunkturellen Verdienstentwicklung in etwa 3 300 Betriebe des Produzierenden Gewerbes und Dienstleistungsbereiches insgesamt jeweils mit mindestens 10 Beschäftigten bei.

Der Nominallohnindex drückt die Veränderung der durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste inklusive Sonderzahlungen der vollzeit-, teilzeit- und geringfügig Beschäftigten im Produzierenden Gewerbe und Dienstleistungsbereich aus. Als Sonderzahlungen werden nicht jeden Monat geleistete Zahlungen wie Urlaubs-, Weihnachtsgeld, Leistungsprämien, Abfindungen usw. bezeichnet. Der Nominallohnindex erfasst die Verdienstentwicklung bei gleicher Beschäftigtenstruktur wie im Vorjahr. Weil der Nominallohnindex den Fokus auf die allgemeine Verdienstentwicklung über alle Arbeitnehmergruppen hinweg setzt, wird bei diesem Index auf die Angabe von absoluten Zahlen verzichtet und ausschließlich auf die Veränderungsraten abgestellt. Bei Bedarf stehen Ihnen die absoluten Angaben differenziert nach Beschäftigungsart auf unserer Homepage (www.statistik.niedersachsen.de) unter Themenbereiche: Preise, Verdienste, Arbeitskosten > Verdiensterhebung (vierteljährlich) zur Verfügung.

Niedriglohn liegt nach international verwendeten Definitionen dann vor, wenn der Verdienst eines abhängig Beschäftigten geringer als zwei Drittel des Medianverdienstes, also des mittleren Verdienstes aller Beschäftigten, ist. Die entsprechende Niedriglohnschwelle, unterhalb derer alle Verdienste als Niedriglöhne gelten, lag 2010 für Deutschland wie auch für Niedersachsen bei 10,36 Euro Bruttostundenverdienst.


Kostenfreier Download:
Eine Abbildung und Tabellen zur detaillierteren Information


Auskünfte erteilt:
Tanja Eichhorn, Tel. 0511 9898-2351



Verbreitung mit Quellenangabe erwünscht.


Herausgeber:
© 2015 Landesamt für Statistik Niedersachsen
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