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Weiterhin Anstieg der Inobhutnahmen durch die Jugendämter in Niedersachsen

Pressemitteilung des Landesbetriebes für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen


Datum: 12. September 2012
Nummer 78/12



HANNOVER. Im Jahr 2011 wurden nach Mitteilung des Landesbetriebes für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen (LSKN) 3 561 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Obhut genommen, durchschnittlich 10 Kinder pro Tag. Damit stieg die Zahl der Inobhutnahmen gegenüber dem Vorjahr (3 109) um 15 %, gegenüber dem Jahr 2005 sogar um 73 % (2 060). Bundesweit lag die Steigerung im Vergleich zum Jahr 2010 bei 6 %, gegenüber 2005 bei 36 %.

Eine Inobhutnahme ist eine kurzfristige Maßnahme der Jugendämter zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, die sich in einer akuten Krisensituation oder Gefahr befinden. Sie werden dann auf deren eigenen Wunsch oder auf Initiative Anderer in die Obhut von Jugendämtern genommen und vorläufig in einer Einrichtung oder bei einer geeigneten Person untergebracht.

Die behördliche Maßnahme erfolgte dabei zum größten Teil (72 %) auf Grund von Hinweisen Anderer, wie zum Beispiel Jugendamt/Sozialer Dienst (1 162), Eltern/Elternteil (575), Polizei/Ordnungsbehörde (522), Lehrer/Erzieher (67). Knapp ein Drittel aller betroffenen jungen Menschen (28 %) wurde auf eigenen Wunsch unter den Schutz des Jugendamtes gestellt.

Mit 1 072 Jugendlichen war fast ein Drittel (30 %) der in Obhut Genommenen zwischen 16 bis unter 18 Jahre alt; gefolgt von der Altersgruppe 14 bis unter 16 Jahren mit 28 %. 14 % der Kinder und Jugendlichen befanden sich im Alter von 12 bis unter 14 Jahren. Mit 53 % überwog der Anteil der Mädchen.

Vor der Inobhutnahme lebten 32 % der Betroffenen bei einem allein erziehenden Elternteil, weitere 24 % bei ihren Eltern und 18 % bei einem Elternteil mit neuem Partner. 9 % der jungen Menschen waren, bevor sie in Obhut genommen wurden, in einem Heim oder in einer sonstigen betreuten Wohnform untergebracht.

Die häufigste Ursache für die Schutzmaßnahme war die Überforderung der Eltern oder eines Elternteils (33 %), danach folgten Beziehungsprobleme (12 %), Vernachlässigung (9 %) oder Anzeichen für Misshandlung (8 %). Von Misshandlungen waren mit 64 % überwiegend Mädchen betroffen.

Die Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen wurden mehr als eine Woche in Obhut genommen (61 %). Bei 44 % der Betroffenen dauerte die Maßnahme 15 und mehr Tage und bei 17 % zwischen 7 bis 14 Tage. Dabei wurden die jungen Menschen meist in einer Einrichtung untergebracht (66 %), ein weiteres knappes Viertel kam zu einer geeigneten Person oder Familie und 10 % in eine sonstige betreute Wohnform.

In 44 % der Fälle kehrten die Kinder und Jugendlichen nach der Inobhutnahme wieder zu ihren Eltern beziehungsweise den Personensorgeberechtigten zurück. Für knapp ein Drittel der Betroffenen wurde nach Beendigung der Maßnahme eine erzieherische Hilfe außerhalb des Elternhauses eingeleitet und 13 % nahmen eine sonstige stationäre Hilfe an. Nur 9 % der jungen Menschen benötigten im Anschluss keine weitere Hilfe.

Stark zugenommen hat die Zahl der jungen Menschen, die auf Grund einer unbegleiteten Einreise aus dem Ausland in Obhut genommen wurden. Während 2011 insgesamt 187 Kinder und Jugendliche ohne Begleitung nach Deutschland eingereist waren, was einem Anteil von 5 % an allen in Obhut Genommenen insgesamt entspricht, waren es im Jahr 2007 gerade mal 23.



Ansprechpartner:
Carola Rosenbohm, Tel. 0511 9898–2239
Jürgen Plate, Tel. 0511 9898–2243



Verbreitung mit Quellenangabe erwünscht.


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Telefon: 0511 9898-1125
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E-Mail: pressestelle(at)lskn.niedersachsen.de
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