Logo Landesamt für Statistik Niedersachsen - Link zur Startseite Niedersachen klar Logo

Bevölkerungsvorausberechnungen für Niedersachsen

Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN)


Piktogramm: Figuren, die Menschen jedes Geschlechts und jeder Generation darstellen und so den Bevölkerungsstand Niedersachsens symbolisieren Bildrechte: LSN

Bevölkerungsvorausberechnungen für Niedersachsen: Wie entwickelt sich die Bevölkerung Niedersachsens in der Zukunft?

Die Bevölkerungsvorausberechnung ist eine Modellrechnung für die erwartete Entwicklung der Einwohnerzahl in Niedersachsen. Sie veranschaulicht, wie sich die Bevölkerung unter den zuvor definierten und als plausibel erachteten Voraussetzungen verändern könnte. Ziel dieser Berechnung ist es, eine Aussage über den in der Zukunft liegenden Bevölkerungsstand und die -struktur zu treffen. Dafür werden einzelne demographische Komponenten, wie z. B. die Geburtenentwicklung, die Lebenserwartung und Sterblichkeit sowie das Wanderungsverhalten der niedersächsischen Bevölkerung analysiert und eine Reihe von Annahmen über die mögliche Entwicklung formuliert. Die Idee ist, den demografischen Veränderungen der niedersächsischen Bevölkerung Rechnung zu tragen und eine Vorausberechnung, differenziert nach mindestens Alter und Geschlecht und teilweise auch Nationalität, zur Verfügung zu stellen.

Das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) führt in regelmäßigen Abständen eine Aktualisierung der regionalen und kleinräumigen Bevölkerungsvorausberechnung durch. Die aktuellsten Ergebnisse für die regionale Bevölkerungsvorausberechnung auf Landkreisebene bis zum Jahr 2031 sind an die 12. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung angelehnt. Eine Aktualisierung bis ins Jahr 2040, in Anlehnung an die 14. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, steht voraussichtlich ab dem zweiten Halbjahr 2022 zur Verfügung. Die kleinräumige Vorausberechnung, auf Ebene der Gemeinden, wird jährlich aktualisiert und berücksichtigt einen Fünf- und Zehnjahreshorizont, also 2024 und 2029.

Welche Daten werden zur Bevölkerungsvorausberechnung für Niedersachsen genutzt und aus welchen Quellen stammen diese? Wie wird die Bevölkerungsvorausberechnung für Niedersachsen durchgeführt?

Um eine Bevölkerungsvorausberechnung durchführen zu können, wird der Bevölkerungsstand zum 31.12. eines Jahres benötigt – das jeweilige Jahr wird dann als Basisjahr bezeichnet. Zudem werden die wesentlichen demografischen Komponenten Niedersachsens in die Berechnung eingebunden: die Geburten, die Sterbefälle und das Wanderungsverhalten. Die Geburten und Sterbefälle, als Ergebnisse der Fertilität und Mortalität, lassen sich aus den Ergebnissen der natürlichen Bevölkerungsbewegung Niedersachsens ermitteln. Die Migration oder genauer gesagt der Wanderungssaldo als Differenz der Fort- und Zuzüge wird aus der räumlichen Bevölkerungsbewegung Niedersachsens gewonnen.

Für die mögliche Entwicklung dieser demografischen Komponenten werden Annahmen formuliert, z. B. über den Grad der Veränderung. So gibt es für jede demographische Komponente unterschiedliche Entwicklungsszenarien. Die Annahme über den Grad der Veränderung reicht von gering über moderat, bis hin zu einer starken Veränderung. Durch die Kombination der unterschiedlichen Entwicklungsszenarien aller demografischen Komponenten entsteht eine Vielzahl an Kombinationen, die als sogenannte Varianten präsentiert werden. Die Hauptvarianten, die unter den aktuell gegebenen Bedingungen am wahrscheinlichsten und am plausibelsten erscheinen, werden in Abstimmung mit den anderen Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder festgelegt. Hinweise zur Berechnung und der Methodik finden Sie unter dem Punkt methodische Hinweise.

Wie oft werden die Bevölkerungsvorausberechnungen für Niedersachsen durchgeführt?

Die kleinräumige Bevölkerungsvorausberechnung auf Gemeindeebene wird jährlich aktualisiert und umfasst einen fünf- bzw. zehnjährigen Zeithorizont. Die umfassendere koordinierte Vorausberechnung wird hingegen vom Statistischen Bundesamt durchgeführt und erscheint etwa alle drei bis vier Jahre. Angelehnt an die Landesergebnisse der koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung wird anschließend im Landesamt eine regionalisierte Berechnung für die Landkreise, kreisfreien Städte und Städte mit Einwohnerzahlen über 50.000 durchgeführt.

Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung – NUTS 1-Ebene

Die zwischen den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung findet alle drei bis vier Jahre statt und umfasst mehrere Varianten. Diese Varianten ergeben sich aus der Kombination von eindeutig quantifizierten (deterministischen) Annahmen zu den drei zentralen demografischen Einflussfaktoren: Geburtenhäufigkeit, Lebenserwartung und Wanderungssaldo. Für das Länderergebnis werden diese Komponenten nach Alter und Geschlecht der niedersächsischen Bevölkerung analysiert und berechnet:

  • die altersspezifische Geburtenziffer, also wie viele Kinder eine Frau im Alter zwischen 15 und 49 in Niedersachsen gebärt,
  • die geschlechterspezifische Lebenserwartung einer Person bei der Geburt unter Berücksichtigung der geschlechterspezifischen Sterblichkeit und
  • der alters- und geschlechterspezifische Wanderungssaldo Niedersachsens, welcher sich als Saldo der Zuzüge nach und Fortzüge aus Niedersachsen ergibt und der sowohl Binnen- als auch Außenwanderung umfasst.

Dabei beschreibt die Binnenwanderung das Wanderungsverhalten innerhalb der deutschen Grenzen, während die Außenwanderung die Wanderung über die deutschen Grenzen hinweg meint. Diese demografischen Komponenten werden pro Jahr und durchschnittlich – gemessen an den Werten für etwa vier bis fünf ausgewählte, vorangegangene Referenzjahre – berechnet.

Da es sich um eine Modellrechnung handelt, können Strukturbrüche, also unvorhergesehene Trendveränderungen, nicht einkalkuliert werden. Für die Praxis bedeutet das, dass Jahre in denen unvorhergesehen Auffälligkeiten auftreten, wie zuletzt die Flüchtlingskrise zwischen 2014 bis 2016, sich weder als Referenzjahre zur Berechnung eines typischen Wanderungsverhalten eignen, noch dass eine Bevölkerungsvorausberechnung hätte diese Entwicklung vorhersehen und abbilden können. Bevölkerungsveränderungen vollziehen sich normalerweise nur sehr langsam über die Zeit. Dieser Tatsache wird unter anderem mit dem langen Vorausrechnungszeitraum Rechnung getragen. Die Berechnungen für die Länderergebnisse werden vom Statistischen Bundesamt für alle Länder vergleichbar durchgeführt, also unter Zugrundelegung gleicher Annahmen für die mögliche Entwicklung der demografischen Komponenten. Das Ergebnis dieser koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung für Niedersachsen ist also ein Landesergebnis und bietet keine räumlich detaillierteren Vorausberechnungen für Landkreise oder Gemeinden. Vorausberechnungsergebnisse auf Landkreisebene sind allerdings in der regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung zu finden. Ergebnisse auf Gemeindeebene bietet die kleinräumige Bevölkerungsvorausberechnung.

Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung – NUTS 3-Ebene

Die regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung wird in Niedersachsen für alle Landkreise, kreisfreien Städte und Städte mit Einwohnerzahlen größer 50.000 gerechnet, was etwa der regionalen Raumeinheit NUTS 3 entspricht. Die Annahmen für die regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung orientieren sich an den Annahmen zu den demografischen Komponenten der Landesergebnisse, die vom Statistischen Bundesamt zur Verfügung gestellt werden. Der Vorausrechnungszeitraum ist auf dieser Ebene kürzer und läuft bei den Regionalergebnissen etwa 30 Jahre in die Zukunft.

Kleinräumige Bevölkerungsvorausberechnung – LAU-Ebene

Die kleinräumige Bevölkerungsvorausberechnung wird in Niedersachsen jährlich aktualisiert und für alle Gemeinden durchgeführt. Die regionale Tiefe dieser lokalen Verwaltungseinheiten (Gemeinden, gemeindefreie Städte, Verbands- oder (Samt-) gemeinden) entspricht der internationalen Raumeinheit LAU.

Wo liegen die Grenzen der Bevölkerungsvorausberechnungen für Niedersachsen?

Vorausrechnungen stellen keine Vorhersagen dar, sondern sind vielmehr Modellrechnungen, die mögliche – auf Hypothesen beruhende – Entwicklungen aufzeigen sollen. Es handelt sich um Wenn-Dann-Aussagen, die eine unter den definierten Annahmen und gegebenen Voraussetzungen mögliche Bevölkerungsentwicklung am wahrscheinlichsten erscheinen lassen. Somit gibt es auch nicht die eine richtige Variante, sondern je nach tatsächlicher Entwicklung der demografischen Einflussgrößen (siehe oben), kann die eine oder andere Variante am naheliegendsten sein.

Es ist zu bedenken, dass viele Einflussfaktoren in den Modellen gänzlich unberücksichtigt bleiben. So zum Beispiel Veränderungen in den Präferenzen der Menschen, Trends zum Wohnen auf dem Land oder in der Stadt und nicht zuletzt Verschiebungen in Lebenstrends. Aber auch gesellschaftliche Strukturbrüche, also unvorhergesehene, abrupte Ereignisse im Vorausberechnungszeitraum, wie zuletzt z. B. die starken Zuwanderungsströme von Asylsuchenden in Niedersachsen in den Jahren 2014 bis 2016 lassen sich nicht im Vorfeld in ein Modell integrieren – hier stößt der Modellrechnungsrahmen an seine Grenzen.

Aussagekraft der Modellrechnungen für Niedersachsen

Ziel der Bevölkerungsvorausrechnung ist es nicht, im Nachhinein (in einer Ex-Post-Betrachtung) möglichst genau die tatsächlich eingetroffenen Bevölkerungszahlen prognostiziert zu haben. Die Güte einer Vorausrechnung misst sich nicht an ihrer Vorhersagegenauigkeit, da die modellhaften Annahmen nur mögliche Entwicklungen darstellen und nicht als unveränderliche Tatsachen genommen werden können.

Demografische Komponenten, wie die angenommene altersspezifische Geburtenrate der Frauen (Fertilitätsrate), die Sterberate sowie die Altersstruktur entwickeln sich nur sehr langsam über die Zeit. Auf kurze Sicht ließen sich die Auswirkungen der Veränderungen in einem Modell nicht abbilden. Um die möglichen Auswirkungen der angenommenen Veränderungen jedoch sichtbar zu machen, wird ein vergleichsweise langer Zeithorizont für eine Bevölkerungsvorausberechnung gewählt. Der Nachteil an langen Prognosehorizonten wiederum ist, dass die Prognoseunsicherheit proportional zum Prognosehorizont steigt.

Wozu dienen die Bevölkerungsvorausberechnungen für Niedersachsen und wer nutzt sie?

Bevölkerungsvorausberechnungen dienen politischen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Entscheidungsträgern als Entscheidungsgrundlage zum Ableiten möglicher Handlungsbedarfe. Häufig bilden sie die Basis für weiterführende Vorausschätzungen. Dem LSN obliegt dabei die Aufgabe, die Datengrundlage für mögliche Entwicklungen der Bevölkerungsstruktur in Niedersachsen bereitzustellen. Aus der Vorausberechnung werden relevante Eckdaten und Kerngrößen für die Bevölkerung abgeleitet, so zum Beispiel die Anzahl der Einwohnerinnen und Einwohner in der kurz- und mittelfristigen Zukunft sowie Angaben zur Erwerbsbevölkerung. Außerdem ist es möglich, Rückschlüsse auf (Über-) Alterung einer Gesellschaft, potentielle Bevölkerungsverluste oder temporäre Bevölkerungsschwankungen zu treffen.

Die Bevölkerungsvorausberechnung lässt heute schon eine Analyse der in der Zukunft liegenden möglichen Bevölkerungsstruktur zu, weswegen ihr eine wesentliche Bedeutung zuteilwird. Dies betrifft insbesondere Bereiche, die einen langen Planungsvorlauf voraussetzen. Zu den Hauptnutzerinnen und -nutzern der Politik und Verwaltung auf internationaler Ebene zählen z. B. die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) sowie das Statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat).

Auf nationaler Ebene werden die Daten z. B. von Landes- und Bundesbehörden, Hochschulen, Forschungsinstituten, Berufsverbänden, Bildungs- und Kultureinrichtungen, privatwirtschaftlichen Unternehmen sowie Informations- und Mediendienstleistern verwendet.

Auch Institute für Bauforschung und Städteentwicklung stützen ihre Planungen von Betriebsansiedlungen, Wohnbauflächen oder infrastrukturellen Veränderungen auf zukünftige Bevölkerungszahlen.

Nutzerinnen und Nutzer auf kommunaler Eben sind unter anderem Bedarfsplaner der Stadtverwaltung, die mit der regionalen Infrastruktur, der Kindertagesstätten- und Schulentwicklungsplanung betraut sind. Hier stellen sich die folgenden Fragen: Wird es viele (Klein-) Kinder und Jugendliche geben? Werden vermehrt Kinderbetreuungs- und Schulplätze benötigt? Werden mehr Ausbildungsplätze und Studienplätze nötig? Wann gibt es sehr stark besetzte Jahrgänge, die die allgemeine Hochschulreife erreichen? Unternehmen und Universitäten können auf solche Informationen im Vorfeld reagieren und Ausbildungsplätze und Lehrangebote schaffen.

Auch die Alterung Niedersachsens, und in diesem Zusammenhang die steigende Lebenserwartung, ist politisch und gesellschaftlich von großem Interesse. An diesem Beispiel lässt sich die Notwendigkeit für die zeitige Schaffung von Seniorenresidenzen und etwaigen Pflegeeinrichtungen illustrieren.

All diese Beispiele geben einen kleinen Ausschnitt, in welchen Bereichen die zukünftige Bevölkerungsstruktur Planungsentscheidungen zur Folge haben könnte und Planungsvorhaben initiiert.

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln