Herr Dr. Voit
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Bevölkerungsvorausberechnungen für Niedersachsen
Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN)
Bevölkerungsvorausberechnungen für Niedersachsen: Wie entwickelt sich zukünftig die Bevölkerung?
Die Bevölkerungsvorausberechnung ist eine Modellrechnung für die zukünftige Entwicklung der Bevölkerungszahl in Niedersachsen. Sie veranschaulicht, wie sich die Bevölkerung unter den zuvor definierten und als plausibel erachteten Voraussetzungen in Niedersachsen und seinen Regionen verändern könnte. Ziel der Berechnung ist es, eine Aussage über den in der Zukunft liegenden Bevölkerungsstand und dessen Struktur zu treffen. Dafür werden die einzelnen demografischen Komponenten, die Geburtenentwicklung, die Sterblichkeit sowie das Wanderungsverhalten der niedersächsischen Bevölkerung analysiert und eine Reihe von Annahmen über deren mögliche zukünftige Entwicklung formuliert. Das Ziel ist, zukünftigen demografischen Veränderungen der niedersächsischen Bevölkerung Rechnung zu tragen und eine Vorausberechnung, differenziert nach Alter und Geschlecht zur Verfügung zu stellen.
Wie oft werden die Bevölkerungsvorausberechnungen für Niedersachsen durchgeführt?
Das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) führt in regelmäßigen Abständen eine Aktualisierung der regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung für Landkreise, kreisfreie Städte sowie große Städte mit Bevölkerungszahlen von 30.000 oder mehr durch. Dafür werden verschiedene Varianten berechnet, die sich an den Ergebnissen der jeweils letzten koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung orientieren. Die zwischen den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung findet alle drei bis vier Jahre statt. Eine kleinräumige Vorausberechnung auf Ebene der Gemeinden in Niedersachsen wurde bis zum Jahr 2023 jährlich aktualisiert, berücksichtigte einen Fünf- und Zehnjahreshorizont und projizierte die kurzfristige Entwicklung (jeweils letzte 5 Jahre) in die Zukunft. Die Methodik der kleinräumigen Bevölkerungsvorausberechnung wird aktuell überarbeitet. Bis diese Überarbeitung abgeschlossen ist, werden vorerst keine weiteren Ergebnisse veröffentlicht.
Wie wird die Bevölkerungsvorausberechnung für Niedersachsen durchgeführt?
Um eine Bevölkerungsvorausberechnung durchführen zu können, wird der Bevölkerungsstand zum 31.12. eines Jahres benötigt, von dem die Berechnung startet. Das jeweilige Jahr wird dann als Basisjahr bezeichnet. Zudem werden die wesentlichen demografischen Komponenten Niedersachsens in die Berechnung eingebunden: die Geburten, die Sterbefälle und das Wanderungsverhalten. Die Geburten und Sterbefälle lassen sich aus den Ergebnissen der natürlichen Bevölkerungsbewegung Niedersachsens ermitteln. Daten zum Wanderungsverhalten in und nach Niedersachsen werden aus der Wanderungsstatistik (räumliche Bevölkerungsbewegung) gewonnen.
Für die mögliche zukünftige Entwicklung dieser demografischen Komponenten werden Annahmen formuliert. So kann es für jede demografische Komponente unterschiedliche Entwicklungsszenarien geben. Annahmen über den Grad der Veränderung können von gering über moderat, bis hin zu einer starken Veränderung reichen. Durch die Kombination der unterschiedlichen Entwicklungsszenarien aller demografischen Komponenten entsteht eine Vielzahl von Szenarien, die als sogenannte Varianten präsentiert werden. Die Hauptvariante bezeichnet jenes Entwicklungsszenario, das unter den aktuell gegebenen Bedingungen am wahrscheinlichsten und am plausibelsten erscheint. Hinweise zur Berechnung und der Methodik finden Sie unter dem Punkt methodische Hinweise.
Wie oft werden die Bevölkerungsvorausberechnungen für Niedersachsen durchgeführt?
Die kleinräumige Bevölkerungsvorausberechnung auf Gemeindeebene wird jährlich aktualisiert und umfasst einen fünf- bzw. zehnjährigen Zeithorizont. Die umfassendere koordinierte Vorausberechnung wird hingegen vom Statistischen Bundesamt und den Statistischen Ämtern der Länder durchgeführt und erscheint etwa alle drei bis vier Jahre. Angelehnt an die Landesergebnisse der koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung wird anschließend im Landesamt eine regionalisierte Berechnung für die Landkreise, kreisfreien Städte und Städte mit Bevölkerungszahlenzahlen von etwa 30.000 und mehr durchgeführt.
Wozu dienen die Bevölkerungsvorausberechnungen für Niedersachsen?
Bevölkerungsvorausberechnungen dienen politischen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Entscheidungsträgern als Grundlage zur Ableitung möglicher Handlungsbedarfe. Häufig bilden sie die Basis für weiterführende Schätzungen. Aus der Vorausberechnung können relevante Eckdaten und Kerngrößen für die Bevölkerung abgeleitet werden, so zum Beispiel die voraussichtliche Anzahl der Einwohnerinnen und Einwohner in der Zukunft sowie Aussagen zur Größe der zukünftigen Erwerbsbevölkerung. Außerdem ist es möglich, Rückschlüsse auf die (Über-)Alterung einer Gesellschaft, potentielle Bevölkerungsverluste oder temporäre Bevölkerungsschwankungen zu ziehen. Die Bevölkerungsvorausberechnung lässt heute schon eine Analyse der in der Zukunft liegenden möglichen Bevölkerungsstruktur zu, weswegen ihr eine wesentliche Bedeutung zuteilwird. Dies betrifft insbesondere Bereiche, die einen langen Vorlauf voraussetzen, wie beispielweise bei der Planung des zukünftigen Bedarfs an Bildungsangeboten, des Pflegebedarf oder im Wohnungsbau. Gleichzeitig ist hervorzuheben, dass sich in der Zukunft nicht nur die Bevölkerungszahl und -struktur verändern werden, sondern auch die Rahmenbedingungen (z.B. Arbeitsmärkte) in denen Menschen zukünftig leben.
Limitationen von Bevölkerungsvorausberechnungen
Bevölkerungsvorausberechnungen beruhen auf Annahmen und sind allein deshalb mit Unsicherheiten verbunden. Auch wenn mit größter Sorgfalt Annahmen erarbeitet werden, kann die Zukunft nicht genau vorhergesagt werden! Um die Spannbreite möglicher Veränderungen aufzuzeigen, werden meist mehrere alternative Annahmen getroffen und mehrere Varianten zur zukünftigen Bevölkerungsentwicklung berechnet.
Demografische Komponenten, wie die allgemeine Geburtenrate der Frauen, die Sterberate sowie die Altersstruktur, entwickeln sich meist nur sehr langsam und können in ein Berechnungsmodell grundsätzlich gut eingearbeitet werden. Für sehr dynamische Faktoren wie bspw. das Wanderungsgeschehen oder Sonderereignisse wie Pandemien gilt dies weniger. Diese können Bevölkerungsvorausberechnungen in der Zukunft kaum abbilden.

