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Bevölkerungsvorausberechnungen für Niedersachsen - Methodische Hinweise

Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN)


Frau im Hintergrund fügt Balken zu einem Diagramm im Vordergrund hinzu Bildrechte: LSN

Da Bevölkerungsvorausberechnungen immer Modellrechnungen sind, also Wenn-Dann-Beziehungen, dürfen sie nie allein betrachtet werden, sondern immer vor dem Hintergrund der zu Grunde gelegten Annahmen und deren Plausibilität. Bei der koordinierten Vorausberechnung werden explizite Annahmen zur Fertilität, der Mortalität und der Wanderung getroffen. Die kleinräumige Bevölkerungsvorausberechnung stellt ein vereinfachtes Verfahren zur Prognose der zukünftigen Bevölkerungszahlen gegenüber der koordinierten Vorausberechnung dar. Die kleinräumige Vorausberechnung orientiert sich an der empirischen Entwicklung der letzten fünf Jahre. Sie ist ein Abbild des Status Quo. Im Grunde wird die Entwicklung der letzten fünf Jahre einfach fortgeschrieben.

Um statistisch belastbare (valide) Werte zu generieren, ist eine Mindestzahl an Einwohnerinnen und Einwohnern notwendig. Die Berechnung der demografischen Koeffizienten setzt eine ausreichende Anzahl an Geburten, Sterbefällen und Wanderungen voraus, um getrennt nach Geschlecht für alle Altersjahre durchschnittlich zu erwartenden Bevölkerungszahlen zu ermitteln (vgl. u. a. Schmidt, Hochstetter 2014). Diese Voraussetzungen werden nur in der koordinierten Vorausrechnung für das gesamte Land Niedersachsen und in der regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung für alle Landkreise, kreisfreien Städte und Städte mit mindestens 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern erfüllt. Dies begründet u. a., warum es die regionalisierte Vorausberechnung nicht auf Gemeindeebene (LAU-Ebene) gibt. Grundsätzlich ist eine regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung auf Gemeindeebene möglich, wird allerdings nicht vom Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) angeboten.

Methodik der koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung

Die Basis für die Bevölkerungsvorausberechnung bildet die sogenannte Kohorten-Komponenten-Methode. Bei dieser Methode lassen sich die Geburtsjahrgänge (Kohorten) nach Geschlecht für jedes einzelne Vorausberechnungsjahr hypothetisch fortschreiben. In die Berechnung fließen drei Komponenten ein: Geburten (Fertilität), Sterbefälle (Mortalität) und Wanderungen (Migration). In der Regel werden insgesamt 100 Altersjahre betrachtet. Die rechnerischen Ergebnisse werden in Tabellen dargestellt und lassen sich visuell in einer Bevölkerungspyramide veranschaulichen.

Um die Bevölkerung vorauszuberechnen, müssen Annahmen getroffen werden bezüglich der künftigen Entwicklung der Geburtenhäufigkeit, der Sterblichkeit sowie der Zu- und Fortzüge (Stichwort Wanderungssaldo) nach Alter und Geschlecht. Diese Annahmen basieren auf der Beurteilung der Entwicklung dieser Komponenten in den vorangegangenen Jahren.

Die Vorausberechnung der Bevölkerung geht von der tatsächlichen Bevölkerung eines ausgewählten Basisjahres in der Gliederung nach einzelnen Altersjahren und differenziert nach Geschlecht zu einem bestimmten Stichtag aus. Die Berechnung wird für jedes einzelne Jahr des Vorausberechnungszeitraums durchgeführt. Für jedes Jahr werden die bereits lebenden Jahrgänge in die nächst höhere Altersstufe übernommen, indem sie um erwartete Sterbefälle vermindert und um den jeweiligen Wanderungssaldo korrigiert werden. Gleichzeitig werden die prognostizierten Lebendgeborenen hinzugefügt, die die neu hinzukommenden Jahrgänge bilden. Auch die neuen Jahrgänge werden ebenfalls von Jahr zu Jahr um die erwarteten Sterbefälle und den Wanderungssaldo berichtigt. Die Anzahl der Lebendgeborenen und der Gestorbenen wird für jeden einzelnen Jahrgang berechnet, indem die altersspezifischen Annahmen zur Geburtenhäufigkeit und zur Sterblichkeit angewendet werden. Die Wanderungen in der Vorausberechnung ergeben sich aus dem angenommenen Wanderungssaldo und seiner Altersstruktur.

Die Vorausberechnungen für Deutschland einerseits und für die Länder andererseits erfolgen separat und werden vom Statistischen Bundesamt durchgeführt. Dadurch finden sowohl für Deutschland insgesamt als auch für jedes Land klar definierte und untereinander abgestimmte Annahmen Anwendung. Weiterführende Infos zur Methode und dem Thema Bevölkerungsvorausberechnung allgemein finden sie auf der Seite von Destatis.

Methodik der regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung

Für die Berechnung der regionalisierten Bevölkerungsvorausrechnung wird das vom Verbund Kommunales Statistisches Informationssystem (KOSIS) entwickelte Programm SIKURS angewendet. Grundsätzlich ist die Methodik die gleiche wie bei der koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung, nur dass die demographischen Komponenten aller Landkreise, kreisfreien Städte und Städte mit einer Einwohnerzahl über 50.000 individuell betrachtet und analysiert werden.

Methodik der kleinräumigen Bevölkerungsvorausberechnung

Bei der kleinräumigen Bevölkerungsvorausberechnung in Niedersachsen wird angenommen, dass sich die Zukunft genauso entwickelt wie die Vergangenheit, konkret, wie in den vergangenen fünf Jahren. Das Verhalten der Fertilität, Mortalität und der Wanderungen der letzten fünf Jahre wird also in die nächsten fünf bzw. zehn Jahre projiziert.

Beispielrechnung für den 5-Jahresprognosehorizont anhand der Daten zur Basis 31.12.2020:

Die kumulierten Sterbefälle und Wanderungssalden der Jahre 2016-2020 werden mit den gealterten Anfangsbeständen zur Basis 31.12.2020 der jeweiligen Altersklasse verrechnet und ergeben die Prognosewerte zum 31.12.2025. Da es für die Altersklasse der 0-5-Jährigen keinen gealterten Anfangsbestand geben kann, wird hier als Anfangsbestand die Zahl der Lebendgeborenen der vergangen Jahre 2016-2020 verwendet.

Im Prinzip wird bei der kleinräumigen Bevölkerungsvorausberechnung die Entwicklung der letzten fünf Jahre einfach fortgeschrieben. Die Bevölkerung zum Zeitpunkt t ergibt sich dann als die Bevölkerung zum Zeitpunkt (t-1) zuzüglich der Geburten und dem Wanderungssaldo, abzüglich der Sterbefälle – hier der Jahre 2016-2020.

Für die Berechnung wird die Bevölkerung in Fünfer-Altersgruppen untergliedert – fünf Jahrgänge stellen eine Altersgruppe bzw. -intervall dar. Für die Veröffentlichung der Prognoseergebnisse wird jedoch eine Aggregation in sechs Altersklassen vorgenommen, die annähernd die Lebensabschnitte widerspiegeln sollen; Kindergarten (0-5-J.), Schule (5-15-J.), Berufsausbildung (15-25-J.), Familiengründung (25-45-J.), Etablierung (45-65-J.) und Seniorenalter (>65-J.).

Die Anfangsbestände für die fünf älteren Altersklassen ergeben sich dadurch, dass die Bevölkerung zum Zeitpunkt 31.12.2020 um fünf Jahre gealtert sein wird. Der Prognosewert zum 31.12.2025 ergibt sich dann als

  • 0-5 J.: Lebendgeborene 2016-2020 abzüglich der Sterbefälle 2016-2020 + Wanderungssaldo 2016-2020 (Sterbefälle und Wanderungssaldo der entsprechenden Altersklasse 0-5, Stand 31.12.2020)

  • 5-15 J.: gealterter Anfangsbestand (aus dem Bevölkerungsbestand der 0-10-Jährigen zum 31.12.2020) abzüglich der Sterbefälle 2016-2020 + Wanderungssaldo 2016-2020 der Altersklasse der 5-15-Jährigen, Stand 31.12.2020

  • 15-25 J.: gealterter Anfangsbestand (aus dem Bevölkerungsbestand der 10-20-Jährigen zum 31.12.2020) abzüglich Sterbefälle 2016-2020 der jeweiligen Altersklasse, sowie das Wanderungssaldo 2016-2020 der jeweiligen Altersklasse, etc.

Je nach betrachteter Gemeinde müssen die jeweiligen Lebendgeborenen, Gestorbenen und die Wanderungssalden der fünf vorangegangenen Jahre sowie der Bevölkerungsstand des Basisjahres zum 31.12. geschlechterspezifisch zugrunde gelegt werden.

Prognose für den 10-Jahreshorizont zum 31.12.2030 anhand der Daten zur Basis 31.12.2020

Das Verfahren hier ist identisch zum 5-Jahresprognosehorizont mit dem einzigen Unterschied, dass die Anfangsbestände aller 5er Altersgruppen auf Basis der geschätzten Einwohner für 2025 um 5 Jahre gealtert werden. Wurden alle Altersgruppen um 5 Jahre „weitergeschoben“, werden sie erneut zu den Altersklassen aggregiert. Die Anfangsbestände der Altersklasse der 0-5-Jährigen beider Prognosehorizonte sind korrekterweise identisch, da angenommen wird, dass sich die Entwicklung der vorangegangenen fünf Jahre (hier 2016-2020) fortschreibt. Dies ist kein Fehler, sondern stellt ein Artefakt der Modellrechnung dar.

Werden zu den nach der hier beschriebenen Methode ermittelten Anfangsbestände noch die Wanderungssalden zur jeweiligen Altersklasse der vorangegangenen fünf Jahre addiert und die Gestorbenen der gleichen Altersklasse subtrahiert, ergeben sich die Prognosewerte zum 31.12.2030.

Altersgruppen: 0-5-, 5-10-, 10-15-, etc. Jährige
Altersklassen: Die zu den annähernden Lebensabschnitten aggregierten Altersgruppen: 0-5-, 5-15-, 15-25-, 25-45-, 45-65-Jährige und alle >65-Jährigen.

Häufige Nachfragen zur kleinräumigen Bevölkerungsprognose (BP)

Die kleinräumige BP wird nur in diesen sechs Altersklassen herausgegeben und nicht auf geringerer Aggregationsebene. Das heißt konkret, weder in 5er-Altersjahrgängen und nicht in 1er-Jahrgänge darf diese Prognose veröffentlicht werden. Dies hat zwei Gründe:

  1. Geheimhaltung: Unter allen Gemeinden Niedersachsens befinden sich viele, die eine geringere Einwohnerzahl als 30.000 aufweisen. Da nur die letzten fünf Jahre betrachtet werden, wäre es bei Einzeljahrgangsbetrachtung in sehr kleinen Gemeinden möglich, Rückschlüsse auf die Zahl der Gestorbenen – insbesondere bei den ganz jungen Jahrgängen (0-2) – zu ziehen. Daher wird von Beginn an mit der Aggregation in 5er-Jahrgängen gerechnet.

  2. Da es sich hier um eine sehr einfache Prognose auf Basis der beobachteten letzten fünf Jahre handelt, werden extra Altersklassen aggregiert, um Prognoseungenauigkeiten im Mittel auszugleichen. Die Darstellung in einer Altersklassenaggregation dient dazu, die Grundgesamtheit in der Klasse und somit Fehler im Mittel zu nivellieren.

Für 1er-Altersjahrgänge gibt es die Ergebnisse der regionalisierten und koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung, die für die Landkreise, kreisfreien Städte und Städte mit mindestens 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern durchgeführt wird.

Erläuterungen:

Allgemeine Geburtenziffer – Zahl der Lebendgeborenen pro Jahr und 1.000 Frauen im Alter von 15 – 44 Jahren (gebärfähiges Alter).

Altersspezifische Geburtenziffer – Zahl der Lebendgeborenen pro Jahr und 1.000 Frauen in einem bestimmten Alter.

Fertilitätsrate / Zusammengefasste Geburtenziffer – Summe der altersspezifischen Geburtenziffern geteilt durch 1.000, der Wert gibt die durchschnittliche Anzahl von Kindern an, die eine Frau in ihrem Leben geboren hätte, wenn die zu einem festgelegten Zeitpunkt ermittelte altersspezifische Fruchtbarkeitsziffer für den gesamten Zeitraum ihrer fruchtbaren Lebensphase gelten würde.

Mortalitätsrate – bezeichnet die Anzahl der Todesfälle bezogen auf die Gesamtzahl der betrachteten Bevölkerung, Angabe erfolgt meist in Todesfällen je 100.000 Personen.

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