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Wachstum und Ernte - Methodische Hinweise

Landesamt für Statistik Niedersachsen


Frau im Hintergrund fügt Balken zu einem Diagramm im Vordergrund hinzu Bildrechte: LSN

Grundlage für alle Erhebungen der Erntestatistik wie die Ernte- und Betriebsberichterstattung (EBE) und die Besondere Ernte und Qualitätsermittlung (BEE) sowie für das Projekt SatAgrarStat ist das Agrarstatistikgesetz in Verbindung mit dem Bundesstatistikgesetz.

Ebenso gelten für alle Erhebungen die Grundsätze der statistischen Geheimhaltung. Die erhobenen Daten werden zum Beispiel in Form von Tabellen, Karten und Fachbeiträgen zu Gesamtergebnissen aufbereitet, bei denen der einzelne Betrieb nicht mehr identifizierbar ist.

Ernte- und Betriebsberichterstattung (EBE) Feldfrüchte und Grünland

Die Ernte- und Betriebsberichterstattung in Niedersachsen erfragt seit dem Jahr 1878 jeweils im April, Juni, Juli, August, Oktober, November und Dezember eines Jahres, die voraussichtlichen und endgültigen Erträge, die Vorratsbestände sowie die Herbstaussaat- und Frühjahrsanbauflächen. Die Erhebung wird jährlich durchgeführt. Abgefragt werden voraussichtliche und endgültige Erträge bei Getreide, Körnermais, Kartoffeln, Ölfrüchten, Hülsenfrüchten, Zuckerrüben, Pflanzen zur Grünernte, Silomais und Dauergrünland. Ende Juni sind Vorratsbestände einzelner Getreidearten und Ende Dezember Vorräte an Kartoffeln zu melden. Aussaatflächen wichtiger Feldfrüchte werden im Herbst und im Frühjahr erhoben. Auswinterungsschäden durch beispielsweise Frost oder Wassermangel sind Teil des Fragebogens im Frühjahr.

Die Erhebung erfolgt durch ehrenamtliche Berichterstatterinnen und Berichterstatter – im Regelfall Leiterinnen oder Leiter eines landwirtschaftlichen Betriebs. Diese werden in der Regel vom Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) systematisch geworben und ausgewählt. Das LSN ist bestrebt, ein gleichmäßig dichtes Erhebungsnetz über alle Gemeinden Niedersachsens zu erhalten. Zum 15. April 2020 umfasste der Bestand an „Ernteschätzern“ in Niedersachsen rund 1.600 Freiwillige. Ziel ist es, in jedem Kreis oder bestenfalls in jeder Gemeinde 5 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche durch Meldungen abzudecken. Jeder landwirtschaftliche Betrieb, der Feldfrüchte anbaut oder Grünland bewirtschaftet, ist Teil der sogenannten statistischen Grundgesamtheit und kann berichten. Viele Betriebe übermitteln ihre Daten seit mehreren Jahrzehnten. Das Wissen dieser Personen über die Landwirtschaft und ihre regionalen Kenntnisse sind eine wichtige Voraussetzung. Die Berichterstatterinnen und Berichterstatter erhalten regelmäßig Informationsschreiben zu den neusten Erkenntnissen aus dieser Erhebung sowie eine symbolische Aufwandsentschädigung für das Ehrenamt.

Die Meldung kann sowohl online über das sogenannte IDEV-Verfahren, ''Internet-Datenerhebung im Verbund'', erfolgen, oder aber mittels Papierbogen. Weitere Informationen zur Teilnahme und Meldung sowie die aktuellen Fragebogen finden Sie bei den Informationen für Auskunftgebende.

Jeweils rund drei Wochen nach dem Stichtag für den Eingang der Fragebogen werden die monatlichen Ergebnisse auf Kreisebene den Berichterstatterinnen und Berichterstattern mitgeteilt und im Internet veröffentlicht. Je nach Jahreszeit liegen unterschiedliche Erkenntnisse zum Pflanzenwuchs, dem Ertrag oder auch der Lagerung vor. Beispielsweise werden im Frühjahr die voraussichtlichen Anbauflächen einer Fruchtart unter Zuhilfenahme der Angaben der Berichterstatterinnen und Berichterstatter hochgerechnet. Im Sommer und Herbst hingegen können Erträge angegeben werden, während die Juni- und Dezemberergebnisse Vorratsbestände beinhalten. Das endgültige Jahresergebnis wird im Januar des Folgejahres veröffentlicht.

Durchschnittliche Erträge werden in Dezitonnen pro Hektar (dt ha-1) angegeben. Zur Ermittlung der Erntemenge in Tonnen für das Land und die Kreise werden die Daten der Bodennutzungshaupterhebung herangezogen.

Sie möchten an der Ernte- und Betriebsberichterstattung (EBE) teilnehmen? Hier finden Sie weitere Informationen.

Ernte- und Betriebsberichterstattung (EBE) Baumobst

Die Teilnahme an der EBE Baumobst ist, wie auch die Teilnahme an der EBE Feldfrüchte und Grünland, freiwillig. Teilnehmen können alle Betriebe mit Flächen, auf denen Baumobst als Hauptnutzung angebaut wird. Bei weniger als 100 Bäumen pro Hektar werden diese Flächen nur bei eindeutiger wirtschaftlicher Nutzung, beispielsweise einer Versaftung oder Schnapsbrennerei, gezählt. Die teilnehmenden Betriebe melden die vorläufigen und endgültigen Hektarerträge von Äpfeln, Birnen, Pflaumen / Zwetschgen, Mirabellen / Renekloden sowie Süß- und Sauerkirschen. Zusätzlich werden bei starken Abweichungen von erwarteten Werten wachstumsbeeinflussende Begründungen wie Witterungsverhältnisse oder Schädlingsbefall und Pflanzenkrankheiten angegeben. Die Begründungen beziehen sich dabei auf den gesamten Bestand und nicht auf einzelne Bäume. Die Meldungen werden zu einem landesweiten Ergebnis hochgerechnet. Berichtsmonate sind die Monate Juni, Juli, August und November.

Die Ergebnisse der Anbauflächen werden in ha der Erträge in Dezitonnen pro Hektar (dt ha-1) angegeben. In den Berichtsmonaten August und November werden zusätzlich die Verwendungsarten (Verkauf, Industrieobst, Eigenbedarf) abgefragt.

Da die allgemeinen Baumobstanbauerhebungen nur alle 5 Jahre stattfinden, liefern die Ergebnisse der EBE Baumobst aktuelle Daten in den Jahren dazwischen.

Die Meldung kann sowohl online über das sogenannte IDEV-Verfahren, ''Internet-Datenerhebung im Verbund'', erfolgen, oder aber mittels Papierbogen. Weitere Informationen zur Teilnahme und Meldung sowie die aktuellen Fragebogen finden Sie hier.

Besondere Ernte- und Qualitätsermittlung (BEE)

Als einzige Erhebung der Erntestatistik ist die BEE eine Pflichterhebung, das heißt die Betriebe der Zufallsstichprobe sind auf Grundlage des Agrarstatistikgesetzes zur Auskunft verpflichtet. Zur Grundgesamtheit zählen alle Betriebe mit Anbau von Winterweizen, Wintergerste, Sommergerste, Winterroggen, Triticale, Winterraps und / oder Kartoffeln. Aktuell liegt die Erfassungsgrenze bei 0,5 ha Feldgröße für die jeweilige Fruchtart. Grundlage bilden die ANDI-Antragsdaten (Förderanträge im Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik der EU) des Vorjahres.

Die Anzahl der Stichprobenbetriebe wird kontinuierlich an die Gesamtanzahl der Betriebe und der Anbauflächen in Niedersachsen angepasst. Die Stichprobenauswahl der Betriebe sowie die spätere Feldauswahl ermittelt das Statistische Bundesamt zu jeder Erhebung maschinell. Aktuell werden 250 Betriebe zu Winterweizen, 90 Betriebe zu Winterroggen, 80 Betriebe zu Winterraps, 150 Betriebe zu Triticale, 190 Betriebe zu Sommergerste und 90 Betriebe zu Wintergerste befragt. Weiterhin wird der Ertrag von Kartoffeln bei 200 Betrieben ermittelt. Jedem Stichprobenbetrieb werden drei Ersatzbetriebe zugeteilt, falls die Probe nicht genommen werden kann beispielweise wegen Umbruch des Felds oder Nichtanbau der ausgewählten Fruchtart.

Die Datenerhebung der BEE ist in drei Arten der Proben gegliedert:

  1. Der Probeschnitt beinhaltet die Probenahme von 5 m² am Feld durch ehrenamtliche Erhebungsbeauftragte. Diese werden durch die LUFA Nord-West ausgewertet und der Gesamtertrag in dt ha-1 berechnet. Bei Kartoffeln wir das Verfahren „Proberodungen“ genannt, dort werden 5 mal 5 Meter lange Reihen beprobt.

  2. Das Volldruschverfahren beinhaltet das Wiegen der gesamten Ernte eines Feldes mit anschließender Berechnung des durchschnittlichen Ertrags in dt ha-1.

  3. Zusatzproben sind Probeschnitte, bei denen nach der Ernte ein Muster des gedroschenen Getreides (ca. 2 kg) entnommen und an das Max Rubner-Institut zur Qualitätsprüfung versendet werden.

Zu jeder Probe muss ein Fragebogen zu Sorte, Vorfrucht (letzte vorherige Anbaufrucht), Bodenart und weiteren Merkmalen beantwortet werden. Die aktuellen Fragebogen finden Sie hier. Die Auskunft ist per Fax, E-Mail oder auf dem Postweg möglich. Bei Volldruschproben werden viele Daten vor Ort erhoben.

Zur Datenerhebung werden die Verfahren „Probeschnitt“ und „Volldrusch“ angewendet. Handelt es sich nicht um ein reines Volldruschverfahren bei dem jeder Betrieb einer bestimmten Fruchtart nach dem Volldruschverfahren behandelt wird, wird circa jeder sechste Probeschnitt zusätzlich mit dem Volldruschverfahren beprobt. Dies bedeutet, dass zur Beprobung durch Probeschnitte des Feldes im Anschluss der gewogene Gesamtertrag des Feldes erfasst wird.


Anzahl der Probebetriebe 2020

Winterweizen 250 Probeschnitte – ca. 40 Volldrusch
Wintergerste 90 Volldrusch
Sommergerste 190 Probeschnitte – ca. 25 Volldrusch
Winterroggen 90 Volldrusch
Triticale 150 Probeschnitte – ca. 20 Volldrusch
Winterraps 80 Volldrusch
Kartoffeln 200 Proberodungen

Sind Sie auskunftspflichtig oder möchten Erhebungsbeauftragte beziehungsweise Erhebungsbeauftragter werden? Weitere Informationen finden Sie unter „Informationen für Auskunftgebende“ oder unter „Ernteberichterstatter/-innen gesucht“.

Im Herbst nach der Ernte ist mit vorläufigen Ergebnissen zu rechnen. Durch die späte Ernte der Kartoffeln werden die Ergebnisse später veröffentlicht. Die endgültigen Ergebnisse der gesamten Ernte eines Jahres liegen im Januar des auf die Erhebung folgenden Jahres vor.

SatAgrarStat

Satellitendaten und Modell

Aktuell läuft im LSN das Projekt SatAgrarStat. Dieses Projekt dient zur Entwicklung einer Methode, Ertragsschätzungen durch Fernerkundungsverfahren zu ermitteln. Die hierfür benötigten Referenzdaten werden durch freiwillig teilnehmende Betriebe erhoben. Die Erhebung erfolgt an fünf Terminen im Jahr.

Die Schätzung des Ertrags erfolgt zum einen durch Fernerkundungsmethoden und zum anderen durch einen vereinfachten Ansatz zur Wachstumsmodellierung.

Zunächst werden durch Testfelder des Julius Kühn-Instituts (JKI) Wachstumsverhalten und essentielle Vegetationsparameter wie Blattflächenindex (LAI) und trockene / frische Biomasse (TM / FM) bestimmt. Diese werden im Anschluss durch statistische Verfahren mit den Fernerkundungsdaten verknüpft. Die benötigten Satellitendaten stellt das Copernicus Projekt von EU und ESA zur Verfügung, es handelt sich dabei um Daten der Sentinel-2 Satelliten. Diese liefern eine hochauflösende, multispektrale Auflösung (10 mal 10 Meter).

Im Anschluss folgt durch verschiedene Ansätze zur Wachstumsmodellierung die eigentliche Ertragsschätzung. Diese Simulation des Wachstums benötigt die durch Satelliten erhobenen Daten. Einen ersten Überblick über die Ergebnisse finden Sie hier.


Referenzdaten am Boden

Zur Validierung der mittels Satellitendaten geschätzten Werte werden Referenzdaten am Boden benötigt. Durch die Schätzung der Werte aufgrund des Wachstums sind auch Informationen zum Wachstumstand zu verschiedenen Zeitpunkten wichtig.

Die teilnehmenden Betriebe werden zu vier Zeitpunkten im Jahr (April, Mai, Juni, Ernte) zu den gemeldeten Flächen nach Aussaatzeitpunkt, Anbaufläche, Ernteschätzung und gewogenem Ertrag, Auswinterung, Schäden im Bestand sowie BBCH-Stadium (Skala für Entwicklungsstadien bei Pflanzen) befragt. Zur besseren Einschätzung der Angaben werden zusätzlich von einem Messpunkt möglichst mittig im Feld Fotos in jede Himmelrichtung sowie vom Messpunkt selbst nach den LUCAS-Kriterien angefertigt.

Die Meldung kann sowohl als Papierfragebogen sowie über das IDEV-Portal, die sichere Internetdatenerhebung im Verbund an das LSN erfolgen. Über das Erhebungsportal werden die gemeldeten Informationen anonymisiert an das Statistische Bundesamt und das JKI weitergeleitet. Die Teilnahme wird vergütet.

Die teilnehmenden Betriebe erhalten alle gewonnenen Erkenntnisse zu ihren Feldern über eine WebApp. Weitere Informationen zur Teilnahme finden Sie hier.

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